Patentöchter: Im Schatten der RAF - Ein Dialog

Am 10. Mai 2012 um 12:00 Uhr herrschte im Glasbau des Schiller- Gymnasium, wo normalerweise ein buntes Treiben herrscht, eine ungewohnte Stille. An diesem Tag fand eine Vorlesung des Buches: “Patentöchter: Im Schatten der RAF- ein Dialog” statt. Jedoch glich die Vorstellung dieses Buches eher einem fiktiven Drama als einem authentischen Tatsachenbericht, denn ihre Geschichte, die Corinna Ponto und Julia Albrecht zu erzählen haben ist eine Erzählung von Tod, Trauer und einer Familientragödie, die zutiefst berührt, zugleich aber auch schockiert. Am 30. Juli 1977 wurde Jürgen Ponto, der Vater Corinna Pontos, von der Schwester seiner Patentochter Julia Albrecht, an die “Rote Armee Fraktion”, kurz RAF, verraten, die somit die Gelegenheit hatte ihn in dessen Haus in Oberursel, bei Frankfurt, kaltblütig zu ermorden. Umso tragischer erscheint diese an sich schon grausame Tat wenn man erfährt wie eng die familiäre Bindung zwischen der Familie Pontos und Albrechts war. Nach diesem grausamen Attentat verschwindet Susanne Albrecht 13 Jahre lang spurlos, und hinterlässt einen unaussprechlichen, und unüberwindbaren, Schrecken sowohl in ihrer als auch in der Familie Pontos.


Die “Rote Armee Fraktion” hat in den 1980er Jahren aufgrund ihres politischen Gedankenguts gegen das “imperialistische System Deutschlands” gekämpft. Ihre wohl berüchtigtste Tat war wohl die Entführung des Flugzeuges “Landshut” in Mogadischu um inhaftierte Mitglieder der RAF freizupressen. Für ihre Ideologie mussten unter anderem der Generalbundesanwalt Siegfried Buback, der Vorstandvorsitzende der Deutschen Bank Jürgen Ponto und der Arbeitgeberpräsident Hans- Martin- Schleyer ihr Leben lassen. Durch eben diese Kaltblütigkeit wurden ebenso viele Familien zerstört wie auch Menschenleben ausgelöscht. Nur dem Mut Julia Albrechts ist es zu verdanken, dass uns diese tragische Geschichte der Familie Ponto und Albrecht bekannt ist, denn sie war es, die nach jahrelangem Schweigen den ersten Schritt auf Corinna Ponto zuging. Dieses Aufeinandertreffen gab diesen beiden Frauen die Chance ihre tragische Vergangenheit aufzuarbeiten und sich gegenseitig ihre verschiedenen Erfahrungen zu schildern.


Ein Zitat von Julia Albrecht zeigt, was für eine Wirkung das plötzliche Auftauchen ihrer Schwester Susanne auf sie zeigte:
"Ich ging wieder nach draußen, die Sonne schien, meine Mutter wartete auf mich. Ich sagte zu ihr: "Die ist verrückt", woraufhin wir so lachen mussten, wie wir in unserem Leben noch nicht gemeinsam gelacht hatten."
Denn als Susanne Albrecht, die unbehelligt im nahe gelegenem Stadtteil Berlins Marzahn- Ahrensleben alias die verheiratete Mutter Ingrid B. lebte, nach mehreren Jahren Fahndung gefasst wurde, vereinbarte Julia Albrecht zusammen mit ihrer Mutter einen Besuchstermin. Julia Albrecht war fassungslos wie unbeteiligt ihre Schwester wirkte und ihr sagte, dass sie "keine Schwester" und sie "ganz vergessen" habe. Diese Situation war zu grotesk um sie nüchtern zur Kenntnis zu nehmen. Das Buch "Patentöchter" deckt nicht nur diese persönliche Tragödie auf, sondern erzählt auch von der persönlichen Involvierung Corinna Pontos und Julia Albrechts in die Ideologie der RAF, die ihrer beiden Leben drastisch veränderte.
Ihr Buch ist eine der wenigen Möglichkeiten eine völlig neue Perspektive auf ein großes Stück deutsche Geschichte zu gewinnen, das ansonsten nur allzu gern unter den Tisch gekehrt wird.

Yvonne Peschko, JGS 1

zuletzt bearbeitet: 01.07.2012 von ungar

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