Schillers Locken als Symbol der Freiheit

Am 17.11.fand im Schiller-Gymnasium ein Vortrag von Martina Iris Wolff über Friedrich Schiller statt. Frau Wolff ist Mitarbeiterin des Deutschen Literaturarchivs in Marbach und hat an der Neukonzeption der Ausstellung im Schiller Nationalmuseum mitgearbeitet. Für ihren Vortrag wählte sie das Motto “O was vermag nicht eine Stunde” aus dem Wallenstein und brachte dazu zahlreiche Bilder von Schiller-Archivalien aus Marbach mit. Der nahezu voll besetzte neue Glasbau der Schule erwies sich dabei zum wiederholten Male als idealer Raum für solche Veranstaltungen.

Nachdem der Neue Kammerchor unter der Leitung von Thomas Kammel zwei Notturnos von Mozart vorgetragen hatte und der Schulleiter Jürgen Habmann mit launigen Worten einen Bogen von Schiller zu Heidenheim gespannt hatte, begann Frau Wolff ihren einstündigen Vortrag.


Bild 1 (zur Verfügungs gestellt vom DLA Marbach)

Sie zeigte dabei mehrere Seiten des Menschen und des Dichters Schiller auf. So verwies sie auf den fleißigen Arbeiter, der sich mit Hilfe von Arbeitsplänen seine Zeit genauestens einteilte. Sobald ein Werk fertig war, wurde es auf einem mit Jahreszahlen versehenen Zettel auch schon durchgestrichen (vgl. Bild 1).


Bild 2 (zur Verfügung gestellt vom DLA Marbach)

An einem Original-Manuskript konnte sie auch nachweisen, dass Schiller seine Dramentexten mehrfach korrigierte. So ist die einprägsame Sentenz aus Wallenstein: “Spät kommt Ihr, doch Ihr kommt!” erst nach kräftigem Überarbeiten eines eher farblosen Spruches entstanden (vgl. Bild 2).


Bild 3 (zur Verfügung gestellt vom DLA Marbach)

Ein anderer Aspekt des Vortrags beschäftigte sich mit dem Schillerkult. Diesem Kult ist im neugestalteten Nationalmuseum in Marbach ein eigener Raum gewidmet, den Frau Wolff auch selber maßgeblich mitgestaltet hat. Anhand der zahlreichen Schillerlocken (vgl. Bild 3) des Literaturarchivs konnte die Referentin diesen Kult veranschaulichen.


Bild 4 (zur Verfügung gestellt vom DLA Marbach)

In diesem Zusammenhang verwies sie auch auf die Bedeutung der Locken als einem Symbol der Freiheit: Hatte der Eleve Schiller noch sein Haar streng zum Zopf geflochten, trug der Dichter Schiller sein Haar offen (vgl. Bild 4) und stellte so offen seine Ablehnung vieler Konventionen zur Schau. Interessant war auch der Hinweis von Frau Wolff, dass man in Marbach nicht gedenke, die Echtheit der Haare über eine DNA-Analyse nachzuprüfen. Denn anders als die zwei Schiller-Schädel in der Fürstengruft in Weimar, die sich beide als falsch herausgestellt hatten, gehe es bei den Locken um ein Zeichen des Schillerkultes und weniger darum, ob sie nun echt seien oder nicht.


Bild 5 (zur Verfügung gestellt vom DLA Marbach)

Dieser Schillerkult wurde auch an einem Faden sichtbar, den ein Besucher aus einem Stuhl in Schillers Wohnung entwendet haben musste (vgl. Bild 5).


Bild 6 (zur Verfügung gestellt vom DLA Marbach)

Schiller selbst habe auch maßgeblich an diesem Kult mitgewirkt, weil er der erste deutsche Autor gewesen sei, der auf die Einkünfte aus seiner literarischen Arbeit angewiesen war. Nach seinem Tod hat seine Frau Charlotte diesen Kult verstärkt, indem sie zum Beispiel Schillerschriften in Schnipsel zerschnitten und verschenkt habe (vgl. Bild 6).


Bild 7 (zur Verfügung gestellt vom DLA Marbach)

Aber auch der andere Schiller, der trotz seiner Rebellion gegen den Herzog Carl Eugen an ebendiesen einen Brief “in aller devotester Submission” geschrieben hatte, wurde sichtbar. In diesem Brief bittet er “untertänigst”, sich weiter literarisch betätigen zu dürfen. (vgl. Bild 7)


Schließlich erwähnte Frau Wolff noch mit einem schelmischen Blick auf die anwesenden Schüler, dass Schiller nur ein mittelmäßiger Schüler gewesen sei und dennoch eine gewaltige Lebensleistung vollbracht habe.

Der abschließende Applaus zeigte, dass die Referentin den richtigen Ton gewählt hatte, um das breit gefächerte Publikum anzusprechen.

Nach diesem gelungenen Vortragsabend überlegt man am Schiller-Gymnasium und an der Volkshochschule Heidenheim, die sich an diesem literarischen Abend beteiligt hat, ob man Schillers Geburtstag zum Anlass nehmen solle, die Zusammenarbeit mit dem Deutschen Literaturarchiv auszubauen. So könnten in jährlich wiederkehrenden Vorträgen Autoren vorgestellt werden, wie zum Beispiel Franz Kafka, dessen Prozess-Manuskript eines den wichtigsten Archivalien im Literaturmuseum der Moderne ist.

Erwin Bitzer

zuletzt bearbeitet: 20.01.2010 von ungar

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